Arme Menschen sterben früher


Auch in Deutschland
Arme Menschen sterben früher

Wer arm ist, stirbt früher. Das gilt nach einer Untersuchung des Max Planck Instituts vor allem für Männer. Einen ähnlich hohen Einfluss auf das Sterberisiko hat noch ein anderer Faktor: Die Arbeitslosigkeit.

Daten von 27 Millionen Arbeitnehmern geprüft

Das sogenannte Sterberisiko steht für die Wahrscheinlichkeit zu versterben – und zwar unabhängig vom Alter. Ob Einkommen, Bildung und Beschäftigungsstatus einen Einfluss auf dieses Sterberisiko der Bevölkerung haben, wurde nun von Wissenschaftlern des Max Planck Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in einer groß angelegten Analyse untersucht. Sie nutzten dazu anonymisierte Rentenversicherungsdaten von 27 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aller Rentenversicherer in Deutschland, die im Jahr 2013 zwischen 30 und 59 Jahre alt waren.

Wichtigster Einfluss ist das Einkommen

Größten Einfluss auf die altersunabhängige Wahrscheinlichkeit zu versterben hatte das Einkommen. Das galt vor allem für Männer: Die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftel lag um 150% über dem des am besten verdienenden Fünftel. Arbeitslosigkeit wiederum verdoppelt das Sterberisiko der Männer, schlechte Bildung erhöht es um etwa 30%. Bei Frauen wiegen Bildungsmangel und Arbeitslosigkeit ähnlich schwer wie bei den Männern, das Einkommen beeinflusst das weibliche Sterberisiko jedoch weniger als das männliche.

Medizinische Infrastruktur kaum Bedeutung

Warum Arbeitslose, Arme und weniger Gebildete früher sterben, bleibt ungeklärt. Da sich Menschen mit geringem Einkommen und Arbeitslose häufig ungesund ernähren und öfter rauchen, könnte dies ein entscheidender Faktor sein. Kaum einen Einfluss auf das Sterberisiko haben dagegen Wohnregion und medizinische Infrastruktur, betont Pavel Grigoriev vom MPIDR. Dass die Sterblichkeit von Männern im Osten insgesamt höher ist, liegt vor allem daran, dass es dort einen höheren Anteil an Arbeitslosen, weniger Gebildeten und Menschen mit geringem Einkommen gibt: 14 % der Ost-Männer gehören zur untersten Einkommens- und Bildungsschicht, bei den West-Männern dagegen nur 11%.

Ost-Männer besonders benachteiligt

Irgendeine Art West-Bonus scheint es beim Sterberisiko jedoch trotzdem zu geben. Im Osten haben die Männer der untersten Einkommens- und Bildungsschicht im Vergleich zur obersten Schicht ein achtfach erhöhtes Sterberisiko. Im Westen sind die Männer der untersten Einkommens- und Bildungsschicht etwas weniger benachteiligt: Ihr Sterberisiko ist im Vergleich zu den Best-Verdienern und Besser-Gebildeten nur um das Fünffache erhöht.

Quelle: MPIDR

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